Ich habe mich wohl lange und weit genug für die GF, und gegen jedwede Interaktion Astors mit sog. "Spaß-", oder sonst auf der OIK-Karte verzeichneten Staaten aus dem Fenster gelehnt, um mit meiner Einsicht in die Notwendigkeit einer Umkehr symbolische Höhen zu erreichen
Mir geht es primär gar nicht darum, wie welche Kartenorganisation nun verfasst ist, welche Staaten auf ihr verzeichnet sind und/oder welche Ziele sie genau verfolgt, ich konstatiere einfach ganz global: die Zersplitterung der deutschsprachigen MN-Gemeinde auf mehrere Kartenorganisationen hat dieser wesentlich mehr geschadet als genutzt. Sie ist für Außenstehende und Neueinsteiger unübersichtlicher geworden. Eine gemeinsame Außendarstellung und Neumitspielerwerbung findet nicht mehr statt. Mitunter jahrelange fruchtbare Kontakte und Kooperationen wurden abgebrochen oder schliefen ein, weil die bisherigen Partner nun auf verschiedenen Karten liegen. Nicht mehr gegenseitige Sympathien und gemeinsame Interessen entscheiden über das Entstehen von Freundschaften, Verbindungen und Netzwerken, sondern die Kartenzugehörigkeit. Projekte spalteten sich, oder wurden im Streit von teilweise jahrelangen, prägenden Spielern verlassen. Ereignisse wie vEXPO oder Microlympiade, die früher die ganze Gemeinde zusammengeführt, die Entstehung von Kontakten und Freundschaften, den Austausch von Gedanken, Ideen und Bürgern angekurbelt haben werden erst regelmäßige Gegenstände von Zank und Streitereien, anschließend dann vielfach boykottiert und ignoriert. Personen die früher miteinander simuliert, zusammengearbeitet haben und gemeinsam Spaß hatten beschimpfen sich nun gegenseitig als "Spalter", "Kindergartenkinder" oder gar "Rassisten".
Was wurde hingegen gewonnen? Die Übersichtlichkeit, die mancher vielleicht gerne anführen würde, sicherlich nicht. Früher gab es das BIK/die OIK mit allerlei Typen von Micronationen (Politik-, Gesellschafts-, Kultur-, Geschichts-, Spaßsimulationen und Mischformen), jeder hat jeden zur Kenntnis genommen und interagiert, mit wem er wollte. Heute gibt es die OIK mit allerlei Typen von Micronationen (s. o.), die GF mit explizit realistischen Politik- und Kultursimulationen, die AIC mit nach eigenem Befinden
noch realistischeren Politik- und Kultursimulationen, und einen heillosen Wust, wer wen von welcher Karte warum nicht anerkennt, ausnahmsweise doch anerkennt, trotz eigentlicher Nichtanerkennung doch an welchen projektübergreifenden Veranstaltungen und Ereignissen teilnimmt, aber nur unter welchen Bedingungen genau - und immer so weiter... Neubürger werden wie Politiker oder Diplomaten jüngerer Staaten regelmäßig irgendwo verhöhnt oder zusammengestaucht, weil sie keinen Durchblick gewinnen können und ein falsches Land bereisen oder gar nur simulationsintern
erwähnen!
Eine verbesserte Zusammenarbeit gleichartiger Micronationen ist in dem Sinne auch nicht zu Stande gekommen. Greifbare Ergebnisse der verschiedenen Ausgestaltungskonferenzen der GF-Staaten wurden jedenfalls meines Wissens niemals irgendwo publiziert, noch kenne ich irgendwen der z. B. mal gesagt hätte, das Wissen darum, welche in den GF-Staaten gesprochenen Sprachen nun wie miteinander verwandt sind, hätte ihm und seiner Simulation etwas gebracht. Auf der anderen Seite konnten die GF-Staaten die politischen Simulationsmöglichkeiten ihrer Karte niemals sinnvoll ausschöpfen, weil in Folge von Selbstisolation, Unübersichtlichkeit und mangelnder Außendarstellung/Mitspielerwerbung das Mitspielerpotenzial ständig schrumpfte und immer noch weiter schrumpft. In einer bizarren Gegenbewegung zu diesem Prozess wurden und werden, da mehrere Karten ja logischerweise auch mehr Platz bieten, exzessiv weiterhin immer neue Staaten ohne jede eigentliche Überlebensaussicht gegründet. Gerade die GF hat dabei unsinnige Neugründungen geradezu herausgefordert, denn früher brauchte man immerhin wenigstens eine noch so billige Idee bevor man eine Totgeburt in die Wet setzen konnte, mittlerweile hat man ja die "Karte der Kulturen" zur Hand. Von dieser muss man sich nur noch einen freien Kulturkreis aussuchen... Durch diese ganz neue Ebene des uralten Phänomens der Staatengründungen nach Kartenplätzen, während die Mitspielerzahl insgesamt rapide abnimmt, haben so manche auf die GF-Karte umgezogene Urgesteine der deutschsprachigen MN-Gemeinde wie z. B. Astor, Albernia, Ratelon, Chinopien oder Barnstorvia spürbaren bis vernichtenden Schaden genommen, der auf einer gemeinsamen Karte so niemals eingetreten wäre, weil es dieses Phänomen dort in dieser Dimension niemals gegeben hätte.
Warum gibt es also mehrere Karten, wenn sie doch scheinbar keine Vor-, und nur Nachteile bringen? Die Antwort liefert ein Blick in die Gremien der GF, unter Vergleich mit der Entwicklung dieser Organisation und der ihr angehörenden Staaten: der rapide Abstieg der GF begann mit dem Rückzug ihrer Gründergeneration. Im Prinzip war die GF niemals ein Bedürfnis der deutschsprachigen MN-Gemeinde, sondern die Vision einer Gruppe ihrer Spieler. Dass die OIK mit ihrem strukturellen Chaos, ihrer Bürokratie und radikalen Reformunwilligkeit wahnsinnig machen kann wurde und wird auch von ihren Anhängern niemals bestritten. Trotzdem war die GF ja mehr als ein Unternehmen, die Probleme der OIK zu lösen. Sie war der Versuch einer Gruppe von Spielern, eine elitäre micronationale Parallelgemeinde zu schaffen - und damit sind diese gescheitert. Der essenzielle Konstruktionsfehler der GF liegt eben gerade in ihrer Selbstzentrierung, ihrer strengen Ernsthaftigkeit und ihrem simulatorischem Purismus. Obwohl es täglich weniger Spieler in den GF-Staaten werden, werden es von den Verbliebenen täglich mehr, die sich wehmütig an Zeiten zurückerinnern, als es noch mehr Innovation und Fantasie, Humor und Augenzwinkern, Spontaneität und Dynamik, Vielfalt und Farbe in ihren Micronationen gab.
Realistische und komplexe Politiksimulationen gibt es auch unter den OIK-Staaten, tatsächlich haben Länder wie Astor oder Ratelon ja auch mal dort bzw. auf der BIK-Karte angefangen, und waren damals sicherlich nicht schlechter als heute - eher noch *hust*

Auch die Idee der Kultursimulation ist ein Kind der OIK- bzw. genau genommen noch der BIK-Zeit. Mit der GF wollte ein Kreis von Visionären sich seine Rosinen aus dem Reigen der OIK-Staaten herauspicken und in einer Elitegemeinschaft zusammenführen, was aber nicht funktioniert hat, und auch nicht funktionieren wird. Egal, was die GF anstellt um sich moderner, flexibler und attraktiver zu gestalten und wieder mehr Mitspieler anzulocken, neben der OIK wird sie auf ewig steif, trist und grau wirken.
Eine Aufgabe der GF zu Gunsten einer neuen, gemeinsamen Kartenorganisation (möglichst) aller deutschsprachigen Micronationen bedeutete ja keine Abkehr der auf ihr verzeichneten Staaten von ihren Prinzipien und Zielen. Sie blieben die realistischen und realistisch ausgestalteten Politiksimulationen, zu denen sie sich bereits vor Gründung der GF entwickelt haben. Sie interagieren außenpolitisch mit denjenigen Staaten, die zu ihnen passen und mit denen sie gemeinsame Interessen verbinden. Nationen mit völlig anderen Simulationskonzepten treffen sie eben nur bei internationalen Großveranstaltungen wie z. B. der vEXPO.
Warum zahlreiche OIK-Staaten, die auf einer gemeinsamen Karte interessante Gesprächs- und Kooperationspartner für Astor wären links liegen lassen, während man in der ausblutenden GF oder meinetwegen auch deren reformierter Nachfolgeorganisation auf den wundersamen Boom wartet, und doch nur alle paar Wochen ein neuer "MarcelHGD-Staat" anklopft?