Das Thema "SimOn/SimOff-Trennung" ist in letzter Konsequenz wohl so eine Art "Generationenkonflikt" in den MNs:
Die ersten MNs waren um die Jahrtausendwende herum noch ganz klar - wie soll man es nennen? - "Internet-Staaten." Schon damals wurden zwar virtuelle Geschichtsschreibungen entwickelt, gab es virtuelle Einwohner, die ausgestaltete virtuelle Städte bevölkert haben usw., aber letztlich war unstreitig, dass eine MN eben eine nach dem Vorbild eines realen Staates - ob absolute oder konstitutionelle Monarchie, demokratische oder autoritäre Republik - organisierte Gemeinschaft ihrer realen Mitglieder ( = Bürger) war.
Dieses Verständnis der MNs als Rollenspiele kam erst sehr viel später. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, ich meine aber sagen zu können: Es war wohl irgendwie (auch) eine Reaktion darauf, dass das "Goldene Zeitalter" der MNs allmählich zu Ende ging, der Bestand ihrer Bürger bzw. Mitspieler ebenso plötzlich wie rapide überalterte, und sich eine Form von Langeweile ausbreitete.
Ob diese Entwicklung nun gut oder schlecht war, ist ebenfalls schwierig zu beurteilen. Natürlich gibt es die ganze MN-Community heute schon sehr viel länger, als ihr legendäres "Goldenes Zeitalter" überhaupt gedauert hat. (Ich würde es auf etwa 1999 bis maximal 2003 datieren.) Aber irgendwie kommt es mir doch so vor, als ist im Vergleich zu früher sehr viel Fantasie und Dynamik verloren gegangen. Jedenfalls für mich, die ich die MNs fast von Anfang ihrer organsierten deutschsprachigen Szene an kenne, reicht keine der überhaupt noch greifbar aktiven Neugründungen seit etwa Mitte der 2000er an all die längst eingestellten oder eingeschlafenen Größen von einst heran: Aranien,,Barnstorvia, Drull, Freiland, Hansastan, Kaputistan, Kling, Kyrolonien, Moncao, Tir Na nÒg, Vulcanien, Wolfenstein ...
Astor aber ist noch da, neben Albernia, Bananaworld und dem spät (2002) gegründeten Pottyland quasi das letzte Überbleibsel des von mir nun schon wiederholt zitierten "Goldenen Zeitalters." (Die Demokratische Union kann man so wenig mit Ratelon vergleichen wie Chinopien mit dem Gelben Reich, auch wenn technisch gesehen jeweils eine Kontinuität gegeben ist.)
Vielleicht oder nicht liegt das mit daran, dass Astor sich - ebenso wie etwa auch Albernia - trotz aller Anpassung an den micronationalen Zeitgeist gewisse Eigenheiten der "alten" MNs bewahrt hat. Wie eben den Verzicht auf "Spielregeln" und eine "Spielleitung" im SimOff, stattdessen die Regelung all seiner existenziellen Belange durch den politischen Prozess im SimOn.
Das sind aber letztlich nur meine Gedanken, gestützt auf rund 16-jährige Kenntnis der deutschsprachigen MN-Szene als sowohl aktive Spielerin, als auch zeitweise bloß passive Beobachterin.
Dennoch wäre ich vorsichtig damit, Dinge über Bord zu werfen, die hier seit fast 15 Jahren funktionieren, bloß um (verspätet?) einer rückblickend und unter dem Strich nicht unbedingt erfolgreichen Mode unter den deutschsprachigen MNs nachzuhecheln, oder temporäre Probleme zu lösen, die nun auch nicht größer sind, als vergangene und erfolgreich bewältigte Probleme Astors ...
Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Catherine Tramell« (10. Juni 2015, 00:09)